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Eine Anfrage zu Autoimmunkrankheiten aus Norwegen


Guten Tag,

habe eben Eure Internetseite gefunden. Ich wohne seit neun Jahren in Norwegen und bin ziemlich verzweifelt über das Angebot im norwegischen Gesundheitswesen. Muss mich gleich zu Beginn über mein holperiges Deutsch entschuldigen, aber das ist in den letzten Jahren ein wenig zu kurz gekommen.

Habe einige Fragen in wieweit in Deutschland diverse Autoimmunerkrankungen behandelt werden:

Ich habe seit ca. 12 Jahren Morphea (cirkumskript Sklerodermi) am Bein, habe außer Mundtrockenheit und gelegentlichen Schmerzen in diversen Gelenken keine größeren Probleme. Wird Morphea in Deutschland medikamentell behandelt? Wenn ja, mit welchen Medikamenten? Werden irgendwelche anderen Massnahmen empfohlen?"

Hatte seit einigen Jahren Hyperthyreose, die mit Tabletten behandelt wurde. Bin im Februar dieses Jahres mit radioaktivem Jod behandelt worden und habe nun Hypothyreose, die zum Teil so niedrig war, das man einige Werte nicht messen konnte. An anderen Tagen sind die Schilddruesenwerte wieder viel zu hoch. Nun bin ich seit Juni krankgeschrieben und bekomme keinerlei Medikamente. Mein Endokrinologe macht Blutuntersuchungen, aber weder Röntgen noch Ultraschalluntersuchungen. Habe nun das letzte Mal darauf bestanden, das zumindest die Leberwerte getestet werden.
Frage: Welche Untersuchungen sollte man machen, um evtl. Spätschäden zu vermeiden? Wie behandeln / mit welchen Medikamenten behandeln Ärzte in Deutschland? Habe lange einen hohen Puls gehabt und starkes Herzklopfen, außerdem geht mein Gewicht mit rund 6 kg rauf und runter, bin extrem müde und schlapp und habe das Gefühl, das meine ganze Persönlichkeit verändert / verschwunden ist. Ich war immer sehr sozial und habe gerne gearbeitet, habe die letzten Jahre studiert und nebenher gearbeitet, meinen Freundeskreis gepflegt - jetzt habe ich keine Lust zu nichts und auch die Kräfte nicht. Bin nur erschöpft und machtlos.

Meine Freundin ist an Lupus erythematodes erkrankt. Die Diagnose wurde im Mai erstellt und erst jetzt zu Anfang Dezember hat sie einen Termin bei einem Spezialisten im Krankenhaus in der nächsten Stadt bekommen. Sie bekommt bis jetzt keinerlei Medikamente.
Wie behandelt man Lupus erythematodes in Deutschland. Was sollte sie in Ihrer Situation beachten?

Sie wurde krankgeschrieben und hat eine Umschulung bekommen. Da sie jedoch sehr mitgenommen ist und nicht mehr so stark ist wie vorher (entschuldigen Sie bitte mein schlechtes Deutsch!) bewältigt sie kaum den Schulalltag. Sie ist ebenfalls 40 Jahre alt und war bis zum Sommer letzten Jahres voller Vitalität und Lebenskraft. Jetzt wirkt sie nur matt, niedergeschlagen und müde und hat Schmerzen.

Ich hoffe, Sie können einige meiner Fragen beantworten und/oder mir einige Information senden. Hier in Norwegen sind viele der Medikamente, die in Deutschland angewendet werden nicht zugelassen - und gegebenenfalls ist es ja doch möglich nach Deutschland zu reisen um eine andere Behandlung / andere Medizin zu bekommen.

Vielen Dank im voraus!

Mit freundlichen Gruessen aus Norwegen




Hallo,

vielen Dank für Ihre Mail. Sie schreiben sehr gutes Deutsch.

Zu Ihren Fragen:

>Ich habe seit ca. 12 Jahren Morphea (cirkumskript Sklerodermi) am Bein, habe außer Mundtrockenheit und gelegentlichen Schmerzen in diversen Gelenken keine größere Probleme.
Wird Morphea in Deutschland medikamentell behandelt? Wenn ja, mit welchen Medikamenten? Werden irgendwelche anderen Massnahmen empfohlen?>

Zu Fragen der Sklerodermie wenden Sie sich bitte an die Sklerodermie-Selbsthilfe , da ich mich damit nicht so gut auskenne. Generell gilt Sklerodermie als etwas schwieriger zu behandeln.

>Hatte seit einigen Jahren Hypertyreose, die mit Tabletten behandelt wurde. Bin im Februar dieses Jahres mit radioaktivem Jod behandelt worden und habe nun Hypothyreose, die zum Teil so niedrig war, das man einige Werte nicht messen konnte. An anderen Tagen sind die Schilddrüsenwerte wieder viel zu hoch. Nun bin ich seit Juni krankgeschrieben und bekomme keinerlei Medikamente. Mein Endokrinologe macht Blutuntersuchungen, aber weder Röntgen noch Ultraschalluntersuchungen. Habe nun das letzte Mal darauf bestanden, das zumindest die Leberwerte getestet werden.

Frage: Welche Untersuchungen sollte man machen, um evtl. Spätschäden zu vermeiden? Wie behandeln / mit welchen Medikamenten behandeln Ärzte in Deutschland? Habe lange einen hohen Puls gehabt und starkes Herzklopfen, ausserdem geht mein Gewicht mit rund 6 kg rauf und runter, bin extrem müde und schlapp und habe das Gefühl, das meine ganze Persönlichkeit verändert / verschwunden ist. Ich war immer sehr sozial und habe gerne gearbeitet, habe die letzten Jahre studiert und nebenher gearbeitet, meinen Freundeskreis gepflegt - jetzt habe ich keine Lust zu nichts und auch die Kräfte nicht. Bin nur erschöpft und machtlos.>

Hm - fragen Sie die Ärzte doch einmal nach der Diagnose. Um welche Erkrankung handelt es sich bei Ihnen? Das ist wichtig. Hyper- und Hypothyreose können ja verschiedenen Ursachen haben. Es könnte ein Morbus Basedow oder eine Hashimoto-Thyreoiditis sein. Andere Erkrankungen wie Schilddrüsenknoten kommen meines Erachtens nicht so in Frage. Für die Diagnose sind unter anderem Antikörper-Werte im Blut ausschlaggebend.

Bei Basedow: Antikörper gegen die TSH-Rezeptoren der Schilddrüse. Die Schilddrüse wird durch die Antikörper stimuliert.
Bei Hashimoto: Antikörper gegen Schilddrüsengewebe. Die Schilddrüse wird durch die Antikörper langsam zerstört.

In beiden Fällen wird manchmal mit einer Radiojodtherapie behandelt. Die Folge einer Radiojodtherapie kann eine Schilddrüsenunterfunktion sein (da die Radiojodtherapie soviel Schilddrüsengewebe zerstört hat, dass nicht mehr genug Schilddrüsenhormone produziert werden können). Das ist quasi eine erwünschte Folge der Behandlung und wird mit Schilddrüsenhormonen (L-Thyroxin) in Medikamentenform ausgeglichen. D. h. um die Unterfunktion auszugleichen, benötigt man das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin als tägliche Tablette.

Aber auch eine erneute Überfunktion kann nach einer Radiojodtherapie vorkommen. Dann wäre die zugrundeliegende Krankheit noch aktiv. Auskunft geben können die Antikörperwerte im Blut. Lassen Sie sich doch eine Kopie der aktuellen Laborwerte geben. Danach richtet sich die weitere Behandlung. Generell scheinen bei Hashimoto-Thyreoiditis die Schilddrüsenwerte im Blut manchmal stark zu schwanken (und dementsprechend eben das Befinden).

Wichtig sowohl bei Basedow als auch Hashimoto: Jod in jeder Form meiden! Da Jod den Autoimmunprozess stimuliert. D. h. kein Meeresfisch, kein Jodsalz. Jodsalz wird heute in vielen Lebensmittel wie Käse und Wurst zugesetzt.

Zu allen Fragen in Bezug auf Schilddrüse sehr zu empfehlen:

http://www.hashimotothyreoiditis.de/
http://www.morbusbasedow.de/
http://www.ht-mb.de/forum/

Dort erfahren Sie auch gute Ärzte, aber auch unter http://www.schilddruesenspezialisten.de. Viele finden z. B. die Praxis von Prof. Hotze gut, vom Rhein-Main-Flughafen mit dem Auto 1/2 Stunde http://www.schilddruesenpraxis.de/.

>Meine Freundin ist an Lupus erythematodes erkrankt. Die Diagnose wurde im Mai erstellt und erst jetzt zu Anfang Dezember hat sie einen Termin bei einem Spezialisten im Krankenhaus in der nächsten Stadt bekommen. Sie bekommt bis jetzt keinerlei Medikamente.>

Ist auch in Deutschland normal, leider.

>Wie behandelt man Lupus erythematodes in Deutschland. Was sollte sie in Ihrer Situation beachten? Sie wurde krankgeschrieben und hat eine Umschulung bekommen. Da sie jedoch sehr mitgenommen ist und nicht mehr so stark ist wie vorher (entschuldigen Sie bitte mein schlechtes Deutsch!) bewältigt sie kaum den Schulalltag. Sie ist ebenfalls 40 Jahre alt und war bis zum Sommer letzten Jahres voller Vitalität und Lebenskraft. Jetzt wirkt sie nur matt, niedergeschlagen und müde und hat Schmerzen.>

a. Zu einem Lupus-Spezialisten in Behandlung gehen. Welche Ärzte das sind, erfährt sie am besten bei den Lupus-Selbsthilfegruppen.

b. Bei Lupus gibt es eine Stufentherapie, d. h. bei leichten Formen wird mit leichten Medikamenten behandelt, bei schwerern Formen mit schwereren Medikamenten. Angefangen wird oft mit Antimalariamitteln (helfen auch bei Lupus), z. B. Chloroquin. Dann Immunsuppressiva, z. B. Azathioprin. Stärkste Medikamente: Cyclophosphamid, Stammzelltransplantation.

c. Beachten: Sonnenbestrahlung vermeiden, Lichtschutzmittel verwenden, nicht in Solarien gehen, östrogenhaltige Verhütungsmittel (Pille) vermeiden, Stress und große körperliche Belastungen wie z. B. zuviel Sport vermeiden.

Sicherlich gibt es auch in Norwegen Selbsthilfeverbände zu Sklerodermie, Lupus und Schilddrüsenkrankheiten. Fragen Sie doch dort jeweils nach guten Ärzten. Die Selbsthilfegruppen kennen sich damit oft gut aus.

>Ist es ja doch möglich nach Deutschland zu reisen um eine andere Behandlung/andere Medizin zu bekommen?>

Ja, sicherlich. Ob man es dann selbst bezahlen muss oder nicht, weiß ich nicht, aber die Möglichkeit gibt es in jedem Fall.

Herzl. Gruß und alles Gute

Dorothea Maxin
Darmstadt


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(Diese Seite wurde am 25.1.2011 aktualisiert.)


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